Alltagsengel

Unsere Wohnung kam zwar möbliert. Aber einige Kleinigkeiten fehlten mir noch zum Glück. Zum Beispiel ein Schreibtisch. Denn den vorhandenen bekam natürlich unser Schulkind (für Hausaufgaben, die sie sowieso am Küchentisch macht, ist ja klar).

Auf dem Weg, um eine geschenkte Fossil-Handtasche abzuholen, entdeckten Toni und ich einen passenden Tisch. Aus zerschundenem, irgendwie geliebt aussehendem Holz mit 3 Schubladen. Perfekt. Wir hielten und inspizierten ihn. „Sieht gut aus. Wir kommen nachher mit dem Auto zurück und holen ihn.“, beschlossen wir.

Auf der gegenüberliegenden Seite beobachtete uns eine Frau. Sie war gerade mit ihrem großen Pick-up heim gekommen. „Braucht ihr Hilfe?“, fragte sie uns. Ich guckte überrascht und verstand die Frage nicht ganz. „Hm, also wir mögen den Tisch. Aber wir können ihn jetzt natürlich nicht mitnehmen. Wir kommen einfach nachher wieder.“, erklärte ich.

„Braucht ihr Hilfe?“, wiederholte sie.

„Ähm, ja, also würden sie mir den Tisch fahren?“, fragte ich ungläubig. „Es ist auch wirklich nicht weit, vielleicht ne halbe Meile.“

„Ja, klar, ich dreh nur kurz den Wagen.“ Gesagt, getan. Sie wendete, wir luden den Tisch mit ihrer Sackkarre ins Auto und dann fuhr sie ihn mir hinterher bis vor die Haustür.

Das ist Berkeley! Wo eine fremde Frau einer anderen fremden Frau einen am Straßenrand gefundenen Tisch nach Hause fährt. Einfach so. Weil sie es kann. Engel gibt’s eben doch.

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