Beten nein, Segnen ja

Mein Seelsorgebesuch bei M. war aus einem weiteren Grund besonders. Ihre Tochter hatte mir erzählt, wie gern M. früher in den Gottesdienst gegangen war. Als gute Pastorin dachte ich mir: Also bete ich mit mir und segne sie am Ende samt Öl.

Irgendwann im Verlauf des Gesprächs dachte ich, „So, jetzt biete ich mal ein Gebet an. Ganz vorsichtig.“ Kaum hatte ich den Satz zu Ende gesprochen, schüttelte sie heftig den Kopf und sagte in bestem Denglisch: „Nein, Beten messed alles up.“ Es folgte eine wirre Geschichte, die ich nur halb verstand. Es ging um Pater und Jungs und Missbrauch. Klassenkameraden ihres Sohns hatten das in San Francisco erlebt.

Klare Ansage. Die konnte ich natürlich nicht ignorieren. Diese Frau nahm Beten ernst. So ernst, dass es ihr Angst machte. Gleichzeitig wusste ich, wie sehr sich die Tochter etwas „kirchliches“ wünschte, sie ist katholisch.

Kurz bevor ich gehen wollte, unternahm ich meinen zweiten Versuch, etwas „amtliches“ zu tun. Ich reichte ihr das Salböl, ließ sie daran riechen, fragte, ob ich sie segnen dürfe. Und plötzlich wurde sie ganz still. Ihr Blick heftete sich erwartungsvoll auf mich, ihre Hände ruhten, die Beine entspannten sich. Meine Hände lagen auf ihrem Kopf, spürten die Wärme und die Haare. Wir sahen uns an. Und plötzlich war es da, das Geschenk des Segens. In einem Moment des Vertrauens und Friedens.

Als ich wieder aufsah, hatte die Tochter Tränen in den Augen. „Das war etwas ganz Besonderes. Ich kann es nicht beschreiben.“ Ich nickte nur.

Auf der Rückfahrt brachte sie es herrlich pragmatisch auf den Punkt. „Wenn ich etwas besonders Tolles verkauft habe, dann fühle ich mich richtig gut und wertgeschätzt. Ich hoffe, dir geht es gerade so.“ Schönes Bild. Ich, die Maklerin, „verkaufe“ Gottesbegegnungen – kostenlos, nicht umsonst.

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