5 Wochen Ausnahmezustand – und kein Ende in Sicht

Seit 5 Wochen ist unsere Wohnung unser Ein und Alles: Zuhause, Schule, Spielplatz, Buero, Kirchenraum, Studio.

Die Kinder sind dazu uebergegangen, die Wohnung in Etappen zu bewohnen. Eine Nacht haben sie versucht, im Badezimmer zu zelten. Aber das war ihnen dann doch zu ungemuetlich. Gleich schlafen wir drei die 2. Nacht im Wohnzimmer. Theo und ich auf der Couch, waehrend Toni in ihrem Zeltschloss mit Kartonanbau liegt. Sehr gemuetlich, wie sie findet.

Und nein, das ist nicht Ergebnis einer Familienkrise. Es ist der Versuch von Philipp und mir, in Schichten zu arbeiten und zu schlafen. Ein neuer Plan, um irgendwie unserer Arbeit und den Kindern gerecht zu werden.

Die Idee: Philipp arbeitet von 5 bis 10 Uhr morgens (relativ ungestoert, da die Kinder eh erst gegen 8.30 aufwachen). Dann arbeite ich von 10-15 Uhr, dann wieder Philipp von 15-18 Uhr. Und ich schreibe nachts (zu meiner Denkhochzeit) bis Mitternacht noch Andachten und so. Theoretisch klingt es super, praktisch sehen wir uns nur noch zum Abendessen zu 4. Mal sehen, wie es laeuft.

Das Projekt Homeschooling haben wir faktisch abgebrochen. Jetzt machen wir „unschooling“ (das Modell gibt’s wirklich!). Die Kinder spielen einfach den ganzen Tag und lassen uns wissen, wenn sie was lernen wollen. Kommt bisher eher selten vor. Zum Glueck liest Toni eh gern und viel und Theo hat den Ehrgeiz, Level D beim Lesen zu erreichen. Und das war’s dann auch schon. Logisch denken subsummiere ich unter Gesellschaftsspielen. Toni schreibt immer mal was. Philipp erklaert ihnen ab und an was Mathematisches. Ansonsten schnippeln sie mit mir Salat, helfen mehr im Haushalt (ok, von Null ist eine Steigerung auch leicht),

Warum haben wir aufgegeben? Einfach, weil der Stress enorm war. Die Kinder haben sich ziemlich eingeigelt in den letzten Wochen. Sie wollen nicht mehr mit ihren Freunden telefonieren, nicht mehr an Gymnastik oder Yoga per Zoom teilnehmen. Ich habe das Gefuehl, dass sie alles vermeiden, um daran erinnert zu werden, was ihnen fehlt. Deshalb tun sie einfach so, als ob es ausser uns 4 niemanden gebe. Ausnahmen sind Menschen in Deutschland. Die sehen wir ja eh nur virtuell, da hat sich nichts geaendert.

Sie reagieren aehnlich wie damals, als wir hier angekommen sind. Sind sehr anhaenglich und kuschelig.

Trotz allem habe ich das Gefuehl, dass beide fuers Leben lernen (jedenfalls rationalisiere ich auf diese Weise unser Versagen). Sie sind herrlich fantasievoll im Spielen, klettern stundenlang auf ihren 2 Baeumen in unserem Garten herum. Sie beschweren sich zwar immer noch ueber Langeweile von Zeit zu Zeit, aber es wird merklich weniger. Toni „spaziert“ auf dem Zaum umher und gelangt auf die Weise zu Nachbargaerten. Dort unterhaelt sie sich dann froehlich mit Nachbarn oder bellt mit deren Hunden um die Wette. Manchmal laeuft sie einfach eine Runde um den Block auf der Suche nach Gespraechspartnern und findet eigentlich immer jemanden, der aus 2m Entfernung mit ihr plauscht.

Das Anstrengenste ist wirklich, dass kein Ende in Sicht ist. Vielleicht koennen die Kinder Enge August wieder in die Schule? Waere schoen, sind aber auch noch 5 Monate bis dahin. Vielleicht duerfen wir dann auch wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern? Waere schoen. Ja, diese Extremsituation schweisst zusammen. Aber wenn mir nochmal irgendwer vorschwaermt, wie gut das uns als Familie jetzt tun muss, dann kann ich fuer nichts garantieren. Wir lieben uns, keine Frage. Aber 24/7 aufeinander zu hocken ist ne Zumutung! Muss man nicht romantisieren.

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