Ostern, Pessach, Feiertage

Happy Easter, happy Passover, happy Holidays! In den letzten Tagen bekam ich mehrere Emails, die auf diese Weise „all inclusive“ begannen.

Kalifornien ist das absolute Gegenteil vom „Bibel Belt“. Es wird auch „Unchurched Belt“ genannt. Die Anzahl der Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel mag äußerlich darüber hinwegtäuschen. Aber die einzelnen Gemeinden sind zumeist sehr klein (ca. 100 Gemeindeglieder ist hier eine normale Größe).

Religionsfreiheit spiegelt sich hier politisch darin wider, dass es keinerlei religiöse Feiertage gibt. Selbst Weihnachten gilt als „Winterferien“. Karfreitag und Ostermontag sind ganz normale Arbeitstage.

Bei einer christlichen Minderheit ist das einerseits verständlich. Andererseits echt gewöhnungsbedürftig. Klar, überall gibt’s Osterhasen und gemeinschaftliches Ostereier suchen. Genauso wie es überall Mazzen zu kaufen gibt. Aber die alltägliche Routine findet keinerlei äußerliche Unterbrechung. Was dazu führt, dass ich viel bewusster entscheiden musste, was mir die Karwoche bedeutet und wie ich sie feiern möchte.

Am Gründonnerstag traf sich der Elternbeirat von Tonis Schule. Seit Januar bin ich aktiv dabei. Also aß ich um 18.00 mit ihnen Pizza und diskutierte über weitere Schritte der Inklusion, statt zum Gottesdienst zu gehen. Mein persönliches Argument: Essen, Reden, Inklusion sind Themen des letzten Abendmahls Jesu. Also feierte ich mein persönliches Abendmahl in der Gruppe von Eltern. Die anderen wussten es nicht, aber ich. Und das reichte mir in dem Moment.

Karfreitag nahm ich dann Toni aus der Schule raus „aus religiösen Gründen“. Auch eine neue Erfahrung. Und zugleich eine heilsame. Weil ich erst jetzt so richtig spüre, was es bedeutet, in der religiösen Minderheit zu sein. Ein witziger Satz für eine geborene Rostockerin und Wahl-Hamburgerin. Doch in Deutschland lebte ich selbst in Mecklenburg in einer Umgebung, die christliche Feiertage selbstverständlich formal wertschätzt.

Hier muss ich Entscheidungen treffen und sie umsetzen. Ich musste nicht dafür kämpfen, Toni am Karfreitag aus der Schule zu nehmen. Es gab keinerlei Widerstände seitens der Lehrer. Trotzdem musste ich Für und Wider abwägen und letztlich einen Beschluss fassen. So, wie es für unsere jüdischen und muslimischem Mitbürger zum religiösen Alltag in Deutschland gehört.

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