„Guten Appetit. You may eat!“: Gelebte Inklusion

Toni kommt begeistert nach Hause. „Mama, weißt du was die Lehrerin jetzt immer zum Mittagessen sagt zu uns? Guten Appetit. You may eat!“

Ich gucke etwas zweifelnd und frage nach. Ob Toni auch sicher ist, dass das deutsch war? Ob die Lehrerin nicht gesagt hätte „Good appetite“? Nein, Toni ist gewiss.

Einige Tage später frage ich Tonis Schulfreundin. Sie bestätigt. Zum Essen heißt es nicht mehr „Enjoy your food!“, sondern nun „Guten Appetit. You may eat!“

In meinem Donnerstagskurs lerne ich Dinge wie „das Andere normalisieren“. Toni erlebt es schon.

Einige Tage später steigt Toni wieder ganz aufgeregt aus dem Schulbus. „Heute musste die ganze Klasse auf deutsch bis hundert zählen. K. und ich haben es ihnen beigebracht.“

Kurz zuvor hatte ich gelernt, wie wichtig es für echte Gleichbehandlung aller Menschen ist, die jeweils andere Sicht einzunehmen. Wie ist es, wenn ich plötzlich „anders“ bin? Wie ist es, wenn ich, obwohl in der Mehrheit, nichts verstehe? Wie ist es, wenn eine Minderheit für eine gewisse Zeit die Regeln aufstellt? Donnerstagabend war das viel Theorie und Vorstellungsleistung. Toni lebt es.

Gestern musste ich Tonis Lehrerin einfach mal umarmen. Weil sie unglaublich ist.

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