Oh, my Valentine!

Seit diesem Jahr liebe ich den Valentinstag. So, wie er hier gefeiert wird. Ein Tag der organisierten und absolut kommerzialisierten Liebes- und Freundschaftserklärungen. An alle, egal ob Freund oder nerviger Klassenkamerad oder gar Feind.

Vor zwei Wochen erhielten wir aus Schule und Kindergarten jeweils Listen mit den Namen aller Kinder aus Tonis Klasse und Theos Gruppe. Dazu der Hinweis: Falls ihr Kind Valentinskarten verschicken möchte. Naiv dachte ich: Ok, man schreibt seinen Freunden. Eifrig zählte Toni ihre Freunde auf und Theo suchte sich erstmals welche. Eine andere Mutter klärte michüber meinen Irrtum auf. Jeder schreibt jedem innerhalb einer Klasse. Super Schreibübung.

Also ab zu Target, Karten kaufen. Motive: Peppa Wutz, Spiderman, The Incredible. Wahlweise mit Magnet, Bleistift, Tattoo oder Aufkleber.

Aus pädagogischer Sicht finde ich das Gießkannenprinzip der Liebe sinnvoll. Gar geboten. Es verhindert lebenslange Traumata („Ich habe schon mit 5 als Einziger nur eine Valentinskarte bekommen. Und die war von meiner Mutter.“) und untergräbt den Wettbewerb um die meisten Liebesbekundungen.

Verändert eine Valentinskarte, die vielleicht nicht einmal ehrlich gemeint ist, ein Leben? Keine Ahnung. Was Toni und Theo lernen werden: Aast mit Liebe. Aast mit Komplimenten. Verbreitet Freude! Liebt wenigstens an einem Tag im Jahr alle Menschen, die per Zufall in euer Leben gepurzelt sind! Eure Freunde, eure Feinde und die, die euch sowas von egal sind. Und freut euch über all die Karten, die ihr bekommt. Von euren Freunden, euren Feinden und denen, die euch sowas von egal sind. Liebe heißt nicht nur romantisches Candellight-Dinner (obwohl es mal wieder schön wäre). Liebe beginnt noch nicht einmal immer im Herzen. Manchmal braucht sie etwas Nachhilfe vom Kopf. Vor allem bei nervigen Mitmenschen.

Ich glaube an die Macht von Worten und Zeichen. Selbst, wenn sie leer sind. Selbst, wenn ich das, was ich schreibe, (noch) nicht fühle. Aber der Anfang ist gemacht. Eine Minibrücke aus gekauften Herzen und kitschigen Karten ist geschlagen.

Oder, wie Paulus schreibt: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu…“ (1 Kor 13,4-5)

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