Der Auswanderer

Toni und ich im Zug. Toni sitzt, ich stehe, halte ihr Rad fest. Ein etwa 35-jähriger Mann beginnt das Gespräch mit: „Oh, macht ihr einen Ausflug heute?“ Nachdem er mich obligatorisch für eine Schwedin gehalten hat (eindeutige Kennzeichen: weiblich, groß, schlank, blond), beginnt er, von Europa zu schwärmen. Innerhalb von 4 Stationen erzählt er mir seine Lebensträume. Wie sehr ihn sein Heimatland nervt, wie unglücklich er hier sei, obwohl er gut verdiene. Er wolle nun endgültig nach Europa ziehen. Nächsten Sommer schon.

Ich frage, ob er denn schon wisse, wo in Europa er leben wolle? Und was er da tun werde?

Alles geplant: Er hat eine Mandelfarm in Spanien gekauft. Irgendwo in der Pampa. Die will er bewirtschaften und Mandelbutter produzieren lassen. Natürlich Bio. Wie gefühlt alles in Kalifornien. Seine Augen glänzen, die Vorfreude steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Wenn das Geschäft läuft, will er die spanische Staatsbürgerschaft beantragen. Um endlich Europäer zu sein. Take that, Trump!

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