Halloween – die fünfte Jahreszeit

Vergesst norddeutschen Fasching. Jetzt wird Halloween gefeiert. Seit Wochen zählen die Kinder in der Schule die Tage. Jeden Tag sind mehr Häuser in Berkeley aufwendig dekoriert. Kürbisse sind ein Muss. Skelette baumeln umher, Geister schweben in den Bäumen. T&T sind hellauf begeistert. Ich auch, denn das Rad fahren ist deutlich weniger quengelig seitdem. Zu viel gibt es zu entdecken.

Zum Glück ist direkt gegenüber von unserem Haus ein „haunted“, also verhextes Haus. Ein Gespenst fährt auf einer Leine herum wie Findus, als er den Fuchs verscheuchen will. Dazu dampft es aus einer Nebelmaschine (die dank der Waldbrände gar nicht benötigt wird im Moment). Eine Riesenspinne springt dem Besucher entgegen. Eine Vogelscheuche verteilt Süsses, nur um im nächsten Moment schreiend aufzuschrecken. Toni musste mich zwingen, um in die Schale zu greifen.

Natürlich bleibe ich dem Pelzschen Motto treu und kaufe keine Deko. Aber 2 Spinnennetze haben wir schon geschenkt bekommen und eine Dose blaues Spray für die Büsche. Dazu haben die Kinder aus Pappkarton Gespenster ausgeschnitten und mit Klopapier beklebt. Die baumeln jetzt im Fenster und gruseln die Eichhörnchen im Baum. Theos beste Idee: Er will zu Halloween Hühnerkeulen essen und dann die Hühnerknochen an sich ranbinden. Wahrlich schauderlich. Und stinkend…

Das Schöne ist: Viele Erwachsene freuen sich genauso aufs Süssigkeiten verteilen, wie die Kinder aufs Sammeln. Unsere Nachbarin klagte, letztes Jahr seien kaum Kinder gekommen. T&T sollten unbedingt bei ihr klingeln.

Auf der Nachbarschafts-App Nextdoor wird fleissig diskutiert, ob und welche Süssigkeiten man verteilt und was es für Alternativen gibt (Aufkleber, Tattoos, Obst). Auf einer interaktiven Karte können sich teilnehmende Häuser registrieren, damit niemand an der falschen Tür klingelt.

Und dann natürlich die wichtigste aller Fragen: Was soll man anziehen? Familien setzten es sich zum Ziel, passend verkleidet zu sein als „Incredible“-Familie. Ein befreundeter Vater bastelt riesen Augen aus Latex für seinen Sohn. Es sieht fantastisch aus. Der Junge kann das Kostüm leider kaum schleppen.

Halloween ist nicht nur ein Tag. Schon eine Woche vorher ludt Philipps Professorin zur Party zu sich nach Hause ein. Inklusive Kostümwettbewerb (von dem wir nichts ahnten). Eine Doktorandin kam als professorale Doppelgängerin und gewann. Ein Junge aus Theos Klasse gewann eine Halloweenparty und lud die gesamte Klasse ein. Karter ist gelähmt und die „magic wheelchair foundation“ bastelte ihm ein Raumschiffkostüm, das seinen Rollstuhl mit einbezieht. Fantastisch. Die Organisation wird von einer Kunstlehrerin geleitet. Das Kostüm ist das Projekt einer 11. Klasse.

Natürlich müssen Kürbisse geschnitzt werden. Mit Freunden (und Cider für die Mamas). Sonst macht es keinen Spass. Herausgekommen sind gruselige Masken mit Ohren und Augenbrauen plus Theos Namen (Theo) und 3 Gesichtern (Toni). Wegen der vorherrschenden Hitze können wir sie erst am 31. rausstellen. Sonst vergammeln sie.

Zu Halloween selbst gibt es in der Schule dann eine grosse Parade in Kostümen. Allerdings wurde extra darauf hingewiesen, keine Spielzeugwaffen mitzubringen (sorry, Theo) und keine kulturell unpassende Kleidung zu tragen (wie Indianerkostüme, sorry, Theo).

Und danach haben T&T die Qual der Wahl zwischen 3 Halloweenparties bei Freunden, bevor es zum grossen Suessigkeitenumzug geht. Am nächsten Tag kann, wer will, seine Süssigkeiten zum Zahnarzt bringen. Dort werden sie gewogen und pro Pfund abgekauft. Das rettet Zähne. Die Süssigkeiten werden dann an die Armee gespendet!

Einzige Sorge dieses Jahr: Eventuell muss alles Herumgelaufe am 31. ausfallen. Wenn nämlich die Luftwerte zu schlecht sind und wir unsere Kinder nicht aus dem Haus lassen können. Die Feuer lodern in nicht allzu weiter Entfernung (45 Kilometer) und der starke Wind bläst uns alles um die Ohren. Es riecht wie am Lagerfeuer. Meine Lungen schmerzen jetzt schon nach 24h und der Reizhusten nimmt zu…

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