Ostern im Mission District: Foxy Mary und Jesus-Wettbewerb im Park

Nach einem herrlich bunten und quirligen Gottesdienst samt Ostereiersuche in der Kirche und Brunch brauchten Theo und ich ein bisschen frische Luft. Also ab in den nächstgelegenen Dolorespark mit Spielplatz und Aussicht über San Francisco.

Auch hier wurde Ostern gefeiert. Ohne Orgel und Predigt, mit Liebe, Lebensfreude und Gastfreundschaft. Tausende Menschen der LGBTQ-Szene trafen sich auf Einladung der „sisters of perpetual indulgence“. Einige hatten aufwändige Barockkostüme angelegt, andere trugen überdimensionale Hüte für den „Easter-Bonnet“ Wettbewerb. Theo und ich stellten uns einfach samt meinem Fahrrad in die Menge und genossen die Stimmung. Nach wenigen Minuten kam ein Mann im bunten Blumenbikini und fragte Theo: „Magst du Kekse?“ Theo nickte froh und der Mann lief los und kam mit einem riesigen Tablett voller Cookies zurück samt Allergenangaben selbstverständlich. Theos Kommentar: „Der Mann hatte aber einen schönen Bikini an. Aber meinst du, ihm ist nicht kalt?“ Berechtigte Frage, denn in San Francisco weht eigentlich immer eine steife, kühle Brise. (Wie in Rostock!)

„Möchtet ihr euch zu uns setzen? Auf unserer Decke ist noch ganz viel Platz.“ Eine Frau lächelte mich an und zeigte auf ihren Platz. Ich fühlte mich innerhalb kürzester Zeit wohl und willkommen zwischen all diesen wildfremden Menschen, mit denen ich äußerlich wenig gemein hatte. Ich: österlich in Cocktailkleid, Blazer und Pumps. Alle anderen: halbnackt bis Osterhasenkostüm. Wir alle: Menschen. Und ich hatte plötzlich das tiefe Gefühl, die Osterbotschaft verkündet zu bekommen. Von der allumfassenden Liebe Gottes, die jeden Menschen so annimmt, wie er ist. Und von Gottes Macht, Botschaften entgegen ihrer Intention zu senden. Denn die „sisters“ treffen sich seit 40 Jahren am Ostersonntag, um diesen Tag zu „entweihen“.

Ich war ein bisschen stolz auf Theo. Männer in Kleidern, Frauen mit Bärten? Das war ihm keines Kommentars wert. Nur die Hüte beeindruckten ihn. Und die vielen Jesus-Doubles. Denn Höhepunkt der Veranstaltung war der „Hunky Jesus Contest“. Kriterien: Aussehen, Kreativität, Witz, Accessoires (Kreuz, Dornenkrone, Wet-T-Shirt…). Gotteslästerung?? Nö! Ich glaube, Jesus hätte seine Freude daran gehabt. Immerhin hatte er als Auferstandener durchaus Sinn für Humor und Überraschungen. Wenn er plötzlich in einem Raum bei seinen Jüngern auftauchte und so tat, als sei das das Normalste von der Welt. Wenn er statt mit Brot und Wein mit Brot und Fisch (Abend-)Mahl feierte. Wenn er im Moment des Erkanntwerdens verschwand. Jesus hätte den Hunky-Jesus-Contest definitiv gewonnen! Denn er ist wahrhaftig auferstanden! Das kann sonst keiner.

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