Hoch leben die Mütter

In Amerika ist alles ein bisschen größer. Entsprechend ließ ich mich einige Tage lang als Mutter feiern. Auch mal schön.

In Schule und Kita sollten die Kinder Karten schreiben und basteln. Also krickelte Theo erstaunlich ordentlich „Happy Mother’s Day“ und „I love you“ und „Theo“ auf seine Karte. Und diktierte zusätzlich „because you make cookies for me“. Ich fühlte mich geschmeichelt, meine Backkünste waren schon lang nicht mehr bewundert worden. Bis die Wahrheit zuschlug: Er meinte die Schokokekse der vergangenen Woche. Übriggeblieben in der Kirche. Erworben beim Großmarkt Costco. Fazit: Liebe ist eben doch käuflich.

Am Freitag lud die Kita alle Mütter und Großmütter zum „Mother’s Tea“ ein. Es gab Früchtetee aus Porzellantassen, Madeleines (Theo aß seine und meine), Blaubeeren, Erdbeeren und natürlich Cracker’n Cheese. Sonst wäre es ja keine amerikanische Teezeit. Jedes Kind hatte seiner Mutter Blumen gebastelt. Außer Theo. Seine Erzieherin erklärte mir: „Ich hab wirklich alles probiert, aber er wollte partout nichts basteln.“ Daraufhin ich: „Ich hab auch alles probiert, aber er wollte dir auch keine Karte basteln.“ Wir nickten verständnisvoll. An meinem Tisch standen stattdessen die von Theo am Morgen für seine Erzieherin gepflückten Blümchen vom Wegesrand. Schlauer Junge. Ein Strauß, zwei glückliche Frauen. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Neben uns saß die Familie von Theos Freundin Kaylee-Jane. Der Kontrast hätte nicht größer sein können. Kaylee und ihre Schwester in pompösen Tüllkleidern mit Fascinatern auf dem Kopf. Die Mama im Etuikleid, die Großmutter im pinken Traum samt Hütchen. Es herrschten Zucht und Ordnung. „Bei einer Teaparty muss man sich benehmen“, erklärte die ältere Dame. Ihrer Tochter waren so viele Manieren sichtlich unangenehm. Irgendwie verständlich inmitten einer Horde von Kitakindern. Die Familie ist im Herbst aus Texas hergezogen samt Oma. Für drei Jahre. Solange unterrichtet der Vater an der Uni angehende Offiziere. Texanische Militärangestellte also. Konservativer geht nimmer. Wie Kinder doch ihre Freunde ganz nach dem Geschmack der Eltern auswählen… Falls sie ihre Abendessenseinladung wahr machen, muss Theo krank sein oder sonstwie verhindert oder irgendwie ruhig gestellt.

Am Muttertag selbst übertrafen sich hier alle selbst. Um 8.00 bekam ich frischgebackene Pfannkuchen serviert, bevor ich 8.15 das Haus verließ (normalerweise esse ich Sonntags immer allein mein Brötchen, maximal von einer schläfrigen Toni Gesellschaft erhaltend). In der Kirche gab es Rosen für alle Damen (und für die Pastorin gleich 3, ist definitiv der beste Job der Welt). Der beste Ehemann der Welt buk mir eine Erdbeertorte, Toni malte Bilder (und sorgte dafür, dass Theo sich ausmalend beteiligte) und bastelte Papierblumen.

Nun muss ich nur fix die Weinflasche leeren, um eine angemessene Vase zu haben. Was tut man nicht alles.

Am 3. Sonntag im Juni ist Vatertag…

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