Auto fahren in Kalifornien

Ich hab’s getan! Ich bin Auto gefahren. Automatik! Ohne Navi.

Als ich den Leihwagen abholte, kam ich mir vor wie im Film. Nagelneuer Wagen. Schlüssel wird nicht mehr reingesteckt, sondern muss sich nur im Auto befinden. Aber Achtung, wenn man ihn aus Versehen im Auto lässt, aussteigt und die Türen schließt, wird das Auto automatisch verschlossen.

Mit nur 2 Pedalen fuhr es sich erst furchtbar. Ständig produzierte ich Vollbremsungen, weil mein linker Fuß kuppeln wollte. (Wer hätte das gedacht, dass selbst ich über muskuläre Fahrerinnerungen verfüge.)

Am nächsten Tag musste ich Kathrin vom Flughafen abholen. Panisch bat ich Philipp, mich als Beifahrer zu unterstützen. Und so sausten wir über die nächtlich funkelnde Baybridge. Philipps Ansage „Und jetzt 16 km auf der Autobahn bleiben.“ entpuppte sich als Trugschluss. Bei 5-7 Spuren ist „bleiben“ eine Herausforderung. Ständig kommen Spuren hinzu, werden die rechten 2 zur Ausfahrt, teilt sich die Autobahn. Erschwerend ist zudem, dass von links und rechts legal überholt werden darf. Und da die Amerikaner die rechten Spuren zu meiden scheinen, sind dies häufig die freien, schnellen.

Zum Glück kämpfen alle mit denselben Problem. Also wird gedrängelt, geschnitten, abgedrängt wo es nur geht. Nachdem ich mich einmal daran gewöhnt hatte, spielte ich einfach mit. Dank Automatik kein Problem.

Anfahren am Berg. Kein Problem. In den Straßen von San Francisco ein Segen. Einparken. Kein Problem dank Rückkamera und unüberhörbarem Piepen.

Überhaupt ist das Einparken hier viel leichter. Denn die Parkplätze sind schlicht breiter. Die normale, europäische Größe gilt als „compact“ für Kleinwagen. Selbst das seitliche Einparken ist machbar, da zwischen zwei Einfahrten meistens 2 Autos passen. Also kann ich entweder gemütlich vorwärts oder rückwärts reinrollen.

Auch die STVO ist für Dummies geschrieben. Rechts vor Links? Ist zu kompliziert. Wer weiß schon zuverlässig, wo rechts ist? (Ich nicht.) Also stehen hier in Berkeley ca. 1 Mio. Stoppschilder. Die Zahl ist nicht übertrieben. An jeder Kreuzung stehen entweder 2 Stoppschilder oder 4. Entweder müssen alle Autos anhalten oder eine Straße hat also Vorfahrt. Als Fahrradfahrerin halte ich das für die uneffektivste Art, den Verkehr zu regeln. Als Autofahrerin hab ich es schätzen gelernt. Man muss nämlich quasi nicht denken. Nur gucken. Bremsen. Fahren.

Vorfahrt hat, wer als erstes angehalten hat = Rasen, Vollbremsung, Hochstart, Rasen, Vollbremsung usw.

Dieses Wochenende haben uns Freunde ihr manuell zu schaltendes Auto geliehen… Mal sehen, wie das wird. Philipp fährt leider nicht, weil sein Führerschein noch auf seinen Geburtsnamen ausgestellt ist. Das ist ihm nach knapp 6 Jahren Ehe erst hier aufgefallen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.